Geschichte
des Hauses:
Die
Villa wurde vom Großindustriellen Kommerzienrat Eduard
Weigang im Jahre 1903 im damaligen "modernen Stil"
erbaut. Eduard Weigang schenkte die Villa seinem Sohn
Rudolf zur Hochzeit am 5.9.1903. Der an der Dresdner Kunstgewerbeschule
lehrende Architekt Professor Alvin Anger, geb. am 29.11.1859,
wurde mit dem Entwurf und der Durchführung beauftragt. Anger
lehrte unter anderem Licht - und Schattenkunde, schrieb 1910 das
"Neue Lehrbuch der Perspektive" und war eine anerkannte
Größe in der damaligen Architektenschaft.
Die
Villa war Teil einer einzigartigen Gesamtanlage aus Landschaftsbau,
Architektur und Kunst. Grotten- und Teichanlagen, Palmenhaus und
Parkanlage und die herrschaftlichen Villen bildeten eine eigene
Welt in der sich der enorme wirtschaftliche und geistige Erfolg
der Familie Weigang widerspiegelte.
Rudolf
und Dorothea Weigang bezogen die neue Villa nach der Hochzeit
und bewohnten diese 30 Jahre. Im Haus wuchsen die Kinder Heinz
und Helga auf und die vierköpfige Familie bewohnte 16
Salons mit ca. 600 m² Wohnfläche! Die Villa zählte
schon zur damaligen Zeit zu den bedeudentsten Wohngebäuden
der Region und fand auch in der Öffentlichkeit großen
Wiederhall.
So
schrieb das Bautzner Tageblatt vom 19.9.1903 in einem
"architektonischer Spaziergang durch Bautzen":
Zitat:".......
Beginnen wir mit der Betrachtung der eleganten modernen Villa
an der Ecke Wall- und Wilhelmstraße! Ja, das ist ein Bau!
Er lehrt uns wie kaum eine Villa Bautzens, daß die Architektur
eine Kunst ist. Künstlerisch gedacht und empfunden und als
dann kunstvoll ausgeführt ist alles an diesem Gebäude.
Dieses Bauwerk besitzt im vollen Sinne des Wortes Stil und zwar
darf die Villa wohl als ein Musterbau des modernen Stils bezeichnet
werden. Modern ist der Bau in seiner architektonischen Formengestaltung
, wie in der Ornamentation und in seiner Farbentönung. So
ist dem Bauwerk ein einheitliches Stilgepräge eigen, das
sich auf die geringste Einzelheit in der Ausführung erstreckt.
Betrachtet man das Gebäude eingehend, so wird man geradezu
überrascht von dem Linienreichtum, den es aufzeigt. Jede
der sichtbaren Fronten zeigt eine andere Struktive Gliederung
und wie charakteristisch sind dabei die Profilierungen der Süd-
und Westfassade herausgearbeitet. Stolz strebt aus der Vereinigung
dieser beiden Fassaden der Bau turmartig empor, gekrönt von
einer ornamental reichlich verzierten Kuppel, während die
östliche Front einen stattlichen Portalanbau besitzt. Erkerausbau,
Freitreppenanlagen beleben die Bauformen ungemein reizvoll und
verleihen dem Gebäude ein plastisches und malerisches Gepräge.
Erfreut ruht daher das Auge auf den neunen schönen Linien,
die voller Mannigfaltigkeit sind, ohne das sie in das Bizarre
verfallen. Vornehm gehalten ist die Farbentönung des Gebäudes.
Harmonisch abgestimmt hebt sich das matte Blau des Gartengitters
von der Grundfarbe der Villa und dem Grün des Gartens wirkungsvoll
ab. Es zeugt entscheiden von seinem Stilgefühl des Erbauers,
daß er das Gebäude nicht unmittelbar an die Wallstraße
gelegt hat, sondern zurück in den Garten, nach der Wilhelmstraße.
Dadurch wurde das Gebäude gleichsam seiner architektonischen
Umgebung enthoben und wie traulich beschatten nun die Zweige der
Bäume den malerisch -schönen Bau. Das Wohnen in dieser
Villa enthebt den Bewohner derselben dem Geräusch der Wallstraße
und ist so recht ein Wohnen im Grünen! Nach alledem können
wir diesem Villenbau modernen Stiles als vorbildlich bezeichnen
und er vermag unseren Kunsthandwerkern lehrsame Anregungen zu
geben. So bildet dieses Gebäude unter den Bauten unserer
Stadt wegen seiner durchgebildeten Kunstformen und seines ausgeprägten
Stilcharakters einen architektonische Edelstein. ............."
Die Bautzner Bevölkerung
selbst nannte das Haus auf Grund der angeblichen Baukosten von
1 Mio. Goldmark schlicht die "Millionenvilla"!
Mitte der dreißiger Jahre gingen Weigang`s nach Dresden
und zogen in die bereits 1916 erworbene Villa "Bautzner Landstraße
44" im Stadtteil "Bad Weißer Hirsch". Die
Bautzner Villa ging neben der Firma und den übrigen Besitztümern
in staatliches Eigentum über und durchlebte ab diesem Zeitpunkt
einen Leidensweg, welcher erst in den 90-er Jahren endete. Von
1933 bis 1937 war die Villa Wohnhaus und SS-Heim.
Anschließend wurde das Haus zum gewöhnlichen Mehrfamilienhaus
umgebaut. Es wurden weitere Außentüren eingebaut, Wände
eingezogen und sicher viel Substanz vernichtet.
In
den 40-er Jahren wurde das Haus zum Krankenhaus und wurde während
der Kampfhandlungen am Ende des Krieges schwer geschädigt.
Bei der Sanierung des Hauses fanden sich Granatsplitter in Wänden
und Fenstern, Durchschüsse und Wurfgranaten im Garten. Es
grenzt an ein Wunder, dass trotz dieser Umstände soviel von
der Schönheit erhalten blieb. Der russische Kulturoffizier
hatte Sinn für Architektur und ließ das Haus reparieren,
verloren ging jedoch die Kuppel über der Zentralhalle. Zeitzeugen
berichten, dass damals die überstrichenen Malereien insbesondere
im großen Salon wieder freigelegt wurden.
Nach
dem Krieg wurde die Villa das "Haus der internationalen
Solidarität". Übersetzt hieß das, im
Haus wohnten Ausländer aus den westlichen Besatzungszonen,
welche aus den verschiedensten Gründen diese verlassen mussten
und die Flucht in den Osten wählten. Amerikaner, Engländer,
Belgier, Franzosen, Holländer und andere Nationalitäten
beherbergte dieses Haus. 1964 endete diese Ära und die Villa
wurde zum "Kreiskulturhaus" umfunktioniert. Vereine,
Verbände Musik- und Tanzgruppen, der erste Bautzner Computerclub
u.a. quartierten sich in der Villa ein.
In
den 90-er Jahren gab es den Versuch einer gastronomischen Nutzung,
welche aber von vornherein zum Scheitern verurteilt war, denn
die wahre Villa war nicht zu sehen und zu erleben, am ehesten
zu erahnen, sie verbarg sich unter dicken Farbschichten. Im Jahre
1998 entschloß sich die Stadtverwaltung Bautzen endgültig
zum Verkauf und die jetzigen Eigentümer bewarben sich neben
anderen Interessenten.